Das Haus ist zu groß geworden: Was beim Verkauf im Alter zu bedenken ist

Einfamilienhaus mit Garten

Es ist selten ein einzelner Moment. Eher eine Summe kleiner Beobachtungen: das Obergeschoss, in dem seit zwei Jahren niemand mehr war. Der Garten, der im Frühjahr mehr Arbeit macht als im Jahr davor. Heizkosten für Räume, die leer stehen.

Und das Gefühl, dass dieses Haus, in dem Kinder groß geworden sind, inzwischen mehr fordert, als es zurückgibt.

Die Frage, die daraus folgt, stellt meist niemand als Erster. Die Eltern nicht, weil sie den Kindern nicht zur Last fallen wollen. Die Kinder nicht, weil sie fürchten, es klinge nach Drängen. So vergehen Jahre, in denen eine Entscheidung in Ruhe reifen könnte. Und am Ende fällt sie dann doch oft unter Druck.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Früher, als die meisten denken.

Wer aus einer Notlage heraus verkauft, z. B. nach einem Sturz, nach einem Krankenhausaufenthalt, nach dem Tod des Partners, verkauft unter Zeitdruck. Und das kostet Geld. Nicht weil der Markt dann schlechter wäre, sondern weil man das erste tragfähige Angebot annehmen muss statt vielleicht auf das Beste warten zu können. Zwischen diesen beiden Angeboten liegen nach unserer Erfahrung fünf bis zehn Prozent.

Der zweite Nachteil wiegt schwerer. Wer schnell verkaufen muss, hat keine Zeit, in Ruhe etwas Neues zu finden. Aus dem Verkauf wird dann ein Umzug in die erstbeste Wohnung.

Ein realistischer Vorlauf liegt bei zwei bis fünf Jahren vor dem Punkt, an dem das Haus tatsächlich nicht mehr geht. Das klingt nach viel. Tatsächlich vergeht die Zeit schnell, wenn man sich ansieht, was alles hineingehört: die Entscheidung, die Gespräche in der Familie, die Wohnungssuche, die Vermarktung, der Umzug selbst. Jeder dieser Schritte dauert länger als gedacht.

Ein Anhaltspunkt, der sich bewährt hat: Wenn die Frage zum ersten Mal ernsthaft im Raum steht, ist es Zeit, sie zu besprechen. Nicht gleich zu entscheiden, nur darüber reden.

Verkaufen oder behalten?

Verkaufen ist nicht der einzige Weg und nicht für jeden der richtige. Vier Möglichkeiten stehen realistisch zur Wahl.

Verkaufen und umziehen. Der klarste Schnitt. Aus dem Hausvermögen wird Kapital, das die neue Wohnung finanziert und im besten Fall noch etwas übrig lässt. Der Nachteil liegt auf der Hand.

Vermieten und selbst kleiner wohnen. Das Haus bleibt im Besitz, die Miete finanziert die neue Wohnung. Klingt elegant. Ist aber Arbeit: Ein vermietetes Haus will verwaltet werden, Mieter haben Anliegen, die Heizung geht auch weiterhin kaputt. Für Menschen, die sich eigentlich entlasten wollten, ist das oft nur ein Tausch der einen Belastung gegen eine andere.

Altersgerecht umbauen und bleiben. Für viele die erste Wahl, und oft auch die richtige. Ein Treppenlift, ein bodengleiches Bad, eine breitere Tür, alles machbar und teilweise gefördert. Die Grenzen zeigen sich dort, wo die Grundstruktur nicht mitspielt. Wenn Schlafzimmer und Bad oben liegen und unten für beides kein Platz ist, wird der Umbau schnell teurer als ein Umzug. Und der Garten bleibt trotzdem Arbeit.

Verkauf mit Wohnrecht oder Nießbrauch. Das Haus wechselt den Besitzer, die bisherigen Eigentümer bleiben wohnen. Beides mindert den Kaufpreis deutlich, beides gehört ins Grundbuch, und die Unterschiede zwischen den zwei Varianten haben im Einzelfall erhebliche Wirkung. Wer darüber nachdenkt, sollte vor allem anderen mit einem Notar sprechen. Das ist nichts, was sich mit einem Ratgeber im Internet klären lässt, auch nicht mit diesem.

Welcher Weg der richtige ist, hängt weniger von Zahlen ab als von der Lebenssituation. Deshalb fängt unsere Arbeit an dieser Stelle auch nicht mit einer Bewertung an, sondern mit einem Gespräch.

Wenn die Kinder mitreden

In den meisten Fällen, die wir begleitet haben, kam der erste Kontakt nicht von den Eigentümern, sondern von den erwachsenen Kindern. Das ist naheliegend. Es ist aber auch der Punkt, an dem es kompliziert werden kann.

Drei Dinge helfen.

Erstens Klarheit darüber, wer entscheidet. Solange die Eltern geschäftsfähig sind, entscheiden sie. Kinder können beraten, organisieren, Termine machen, im Zweifel auch mal energisch werden. Die Unterschrift gehört den Eigentümern. Wo das früh ausgesprochen wird, gibt es später weniger Ärger.

Zweitens: ein gemeinsamer Termin statt vieler einzelner. Wenn mehrere Geschwister beteiligt sind, entstehen Missverständnisse vor allem durch Weitererzählen. Sitzen alle im selben Raum und hören dieselben Zahlen, erspart das drei Telefonate pro Woche.

Drittens eine Vorsorgevollmacht bevor sie gebraucht wird. Sie regelt, wer handeln darf, wenn jemand es selbst nicht mehr kann. Ohne sie braucht es im Ernstfall eine gerichtlich bestellte Betreuung. Ein Verfahren, das Monate dauern kann, während eine Immobilie unverkäuflich in der Schwebe hängt. Die Vollmacht ist kein Misstrauensbeweis.

Und noch etwas, das in keinem Ratgeber steht: Streit unter Geschwistern dreht sich in diesen Situationen selten wirklich ums Geld. Meistens geht es um Erinnerungen, nur wird darüber in Zahlen gesprochen. Wer das erkennt, kommt anders ins Gespräch.

Zwei Prozesse gleichzeitig

Der häufigste praktische Stolperstein ist nicht der Verkauf, sondern die Gleichzeitigkeit.

Das Haus soll verkauft werden, aber erst, wenn die neue Wohnung feststeht. Die Wohnung soll gekauft werden, aber erst, wenn klar ist, was das Haus bringt. Beides hängt voneinander ab und beides hat seinen eigenen Zeitplan.

Lösen lässt sich das, wenn man früh genug anfängt und beide Stränge nebeneinander laufen lässt. Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Ein Ehepaar wollte aus dem Haus im Umland in eine barrierefreie Wohnung in der Stadt. Die Kinder hatten den Kontakt hergestellt. Während wir die Vermarktung vorbereiteten, lief die Wohnungssuche parallel; am Ende wurde eine Neubauwohnung beim Bauträger gekauft, während das Haus noch am Markt war. Vier Monate vom ersten Gespräch bis zum Abschluss. Niemand stand zwischen zwei Wohnungen.

Bei der Wohnung haben wir beraten, nicht vermittelt. Verdient haben wir daran nichts. Wir halten das trotzdem für selbstverständlich. Ein Verkauf, nach dem jemand in der falschen Wohnung sitzt, ist kein gelungener Verkauf.

Was man bei der Planung einrechnen sollte: Zwischen Kaufvertrag und Einzug liegen bei Neubauten oft Monate, manchmal über ein Jahr. Wer das von vornherein weiß, kann den Hausverkauf entsprechend takten.

Vierzig Jahre Hausrat

Der Teil, den fast alle unterschätzen. Ein Haushalt, der über Jahrzehnte gewachsen ist, löst sich nicht an einem Wochenende auf.

Sinnvoll ist es, früh zu sortieren – grob in vier Richtungen.

Was mitkommt. Oft mehr, als anfangs gedacht. Der Esstisch, an dem die Familie saß. Der Sessel. Vertraute Möbel machen aus einer fremden Wohnung schneller ein Zuhause, und das ist keine Sentimentalität, sondern ein praktischer Faktor beim Ankommen. Es lohnt sich, das beim Grundriss der neuen Wohnung mitzudenken. Ein Raum, in den der alte Esstisch nicht passt, ist der falsche Raum.

Was in die Familie geht. Kinder und Enkel fragen. Konkret und früh. „Wollt ihr irgendwas?“ führt selten zu einer Antwort, „Der Schreibtisch aus dem Arbeitszimmer – willst du den?“ schon.

Was verkauft werden kann. Realistisch weniger, als man hofft. Für echte Antiquitäten, hochwertige Einzelstücke und Sammlungen gibt es Auktionshäuser und Fachhändler. Für gewöhnliche Wohnzimmermöbel aus den Achtzigern gibt es keinen Markt. Das ist leider so.

Was entsorgt wird. Der größte Teil. Haushaltsauflösungen übernehmen spezialisierte Betriebe, gut erhaltene Möbel nehmen Sozialkaufhäuser und gemeinnützige Einrichtungen häufig entgegen. Wer selbst entrümpelt, sollte den Aufwand nicht unterschätzen. Es dauert zwei- bis dreimal so lange wie geplant.

Ein Rat, der nichts kostet: Fangen Sie im Keller an, nicht im Wohnzimmer. Im Keller hängen die wenigsten Erinnerungen, und der erste sichtbare Erfolg motiviert für den Rest.

Wie wir dabei arbeiten

Ein Hausverkauf im Alter ist kein normaler Verkauf, und wir behandeln ihn auch nicht so.

Das heißt: mehr Zeit für das erste Gespräch. Besichtigungen mit wenigen, vorab geprüften Interessenten statt Massenterminen. In einem Haus, in dem noch jemand wohnt, ist das keine Frage der Effizienz. Und Ansprechpartner, die über den gesamten Zeitraum dieselben bleiben.

Wir begleiten solche Verkäufe in Nürnberg, Fürth, Erlangen und der Metropolregion. Wenn Sie über diesen Schritt nachdenken, für sich selbst oder für Ihre Eltern: Sprechen Sie uns an. Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts. Es hilft aber oft schon dabei, die Frage überhaupt zu sortieren.

Weiterlesen

Verkauft in Erlenstegen: ein besonderes Stadthaus findet seinen neuen Besitzer

Zum Artikel
Hund auf Sofa in einer modernen hellen Wohnung

Der erste Eindruck zählt: So bereiten Sie Ihre Immobilie richtig auf Besichtigungen vor

Zum Artikel